Pfingsten, das heisst Brunnenfest in Bad Sooden-Allendorf
Ein Fest mit über 400 jähriger Tradition

"Seit über 400 Jahren feiern die Menschen in Sooden das Brunnenfest..." So beginnt die Einleitung zur Festproklamation, die alljährlich am Pfingstmontag zu Beginn des Festgottesdienstes in der alten Salzkirche St. Marien verkündet wird. Die Proklamation, die Ordnung des Gottesdienstes, und das Datum des Festes gehen zurück auf den Salzgreben und Pfarrer Rhenanus, der von 1555 bis zu seinem Tode 1589 in Bad Sooden- Allendorf wirkte. Doch die Ursprünge des Brunnenfestes als Dankfest der Menschen für Sole und Salz liegen noch weiter zurück.

Salz -das `weiße Gold´- war für die Menschen schon immer lebenswichtig. Salzquellen und -Vorkommen waren begehrt, zeitweise sogar umkämpft. Durch Funde ist belegt, dass die Salzquellen von Sooden schon in der Jüngeren Steinzeit und Bronzezeit den Menschen bekannt waren, war doch eine wohltuende und belebende Wirkung der warmen Sole früh erkannt. Es wird vermutet, dass in der Zeit der Germanen bereits Salz auf einfachste Weise gewonnen wurde. Die Menschen schütteten die Sole auf glühende Holzstöße und trennten dann das Salz von der Asche. In diesen vorchristlichen Zeiten war es Brauch, den Quellgeistern der Solequellen, die als heilig galten, an einem bestimmten Tag im Jahr, meist im Frühling, Opfer zu bringen und Lobfeiern zu veranstalten.

Ab dem frühen Mittelalter begann in Sooden die geregelte Salzgewinnung. Salz wurde in immer größerem und technisch versierterem Maße gewonnen. Die Sole wurde in großen Pfannen, die in den Siedehäusern (Koten) standen, über mehrere Stunden erhitzt, bis die Salzkristalle abgeschöpft werden konnten. Die Pfannen standen im Eigentum der meist in Allendorf ansässigen Pfännerschaft. Am 05. Juni, dem Tag des Hl. Bonifatius, dem die Überlieferung eine Förderung der Salzgewinnung zuschrieb, wallfahrteten bereits im Mittelalter die Pfänner mit Weib und Kind und hielten eine feierliche Prozession mit allem Heiligtum, Kreuz und Fahnen zum Salzbrunnen ab, wo die Hl. Messe gelesen und das Te Deum laudamus gesungen wurde.


Im 16. Jahrhundert ging das Salzwerk auf Landgraf Philipp den Großmütige von Kassel über. Der wollte selbst in das Geschäft mit dem ´weißen Gold´ einsteigen. Er ließ eigene Siedehäuser errichten, was die Zahl der Koten von 42 auf 82 ansteigen ließ. Die so gebildete Konkurrenz mit der Pfännerschaft brachte Unfrieden in die Gemeinden Sooden und Allendorf. Eine zwangsweise Beruhigung fand diese angespannten Situation, als der Landgraf alle Siedestätten der Pfänner in Pacht nahm. Mit den Verträgen von 1540 und 1554 noch zeitlich befristet, wurde im Jahr 1586 der letzte Vertrag -die sog. ewige Lokation- geschlossen, mit der der Landgraf die Siedehäuser für immer übernahm und die Pfänner mit jährlichen Renten auszahlte.

Während der 2. Lokation, im Jahr 1555, bereits hatte der Landgraf, ein Anhänger und Verfechter der Reformation, den Magister Johannes Rhenanus nach Sooden berufen, um durch ihn die Technik des Salzwerks zu verbessern und die Salzgewinnung zu steigern. Am Pfingstmontag 1555 wurde Rhenanus in der Marienkirche zu Sooden der Gemeinde vorgestellt und in sein Amt eingeführt. Rhenanus war Pfarrer und sachverständig in der Technik der Salzgewinnung, weshalb er auch zum Salzgreben ernannt wurde. Durch seine zahlreichen Besichtigungsreisen in andere Salzwerke und Salinen brachte er immer neue Verfahrensweisen der Salzgewinnung nach Sooden. Die von ihm forcierte Umstellung der Pfannenbefeuerung von Holz auf Kohle vom Meißner war eine Revolution in der Salzgewinnung. Der Landgraf Philipp beauftragte Rhenanus ein Buch über die Geschichte, Technik und Einrichtung des Salzwerkes zu verfassen. Unter vielen Mühen und den immerwährenden Ermahnungen des Landgrafen, nach den Überlieferungen muß ihm das Scheiben schwer angekommen sein, entstand dann die ´Salzbibel´ (eine Kopie ist im hiesigen Salzmuseum ausgestellt).

In seiner Eigenschaft als Pfarrer verlegte Rhenanus das Brunnenfest vom Bonifatiustag auf den Dienstag nach Pfingsten. Dies wohl, weil die Verehrung der Heiligen bei den Protestanten keinen so großen Stellenwert mehr hatte, aber wohl auch deshalb, weil an Pfingsten die Arbeit in den Siedehäusern sowieso ruhte und damit der Arbeitsausfall durch das Söder Dankfest gering gehalten werden konnte. In der von ihm verfassten ´Salzbibel´ bestimmte Rhenanus dass und in welcher Form zu Pfingsten ein Dankgottesdienstes gehalten werden sollte (Proklamation).

Nach dieser Festordnung, die mit der Ermahnung an künftige Generationen schließt, dass "...dieses Fest ein ewiges in diesem Salzwerk sein und bleiben" soll, fußt auch noch über 400 Jahre später der Ablauf des Brunnenfest-Gottesdienstes. Zentraler Punkt des Gottesdienstes ist die "christliche Vermahnung und Predigt", die sog. ´Salzpredigt´, und das gemeinsame Singen des Söder Te Deum laudamus am Ende des Gottesdienstes.

Nach den Überlieferungen luden vormals nach dem Kirchgang die fürstlichen Beamten die Pfänner dann zu einer gemeinsamen Mahlzeit in die Pfennigstube ein, wenn zwischen ihnen Friede und Freundschaft herrschten. So war es wohl auch im Jahr 1661, als die Pfännersalzgreben zusätzlich 80 l Wein aus dem Ratskeller in Allendorf in die Pfennigstube kommen ließen.

An diese Tradition des gemeinsamen Mahles anknüpfend, wurde beim Brunnenfest 2004 die Söder Tafel aufgestellt, an der sich Bürger, Freunde und Gäste das Söder Vesper -´Schippel & Sülze´- bei manch erfrischendem Trunk schmecken ließen.

Wenn Sie mehr über die Geschichte unserer Stadt erfahren möchten, besuchen Sie doch einmal das Salzmuseum des Vereins für Heimatkunde im Söder Tor oder im Internet unter: www.heimatkunde-bsa.de